Ivna Žic

Die Nachkommende

Die Nachkommende ist ein mitreissender literarischer Rap, der Lyrik und Prosa gekonnt zu einem Gesamtrhythmus verstrickt. Die Textmusik ist eigenständig, gleichwertig und untermalt gleichzeitig den Inhalt, der einmal mehr, einmal weniger die Aufgabe annimmt, Unausgesprochenes endlich auszusprechen. Nicht tragisch, sondern melancholisch wird das Verharren zwischen den Sprachen und vergangenen Geschichten geschildert. Für die Protagonistin ist dies ein anstrengender und ermüdender Zustand, der zugleich für die Mehrheit der Menschheit die Normalität darstellt.

Ich empfehle Die Nachkommende möglichst in einem Zug zu lesen, um den literarischen Genuss voll auskosten zu können. ap

Klappentext:

Hochsommer. Eine junge Frau reist in einem Zug von Paris nach Kroatien, wo wie jeden Sommer die Familie auf der Grossmutterinsel wartet. Sie denkt an den Mann, mit dem sie ein Jahr lang eine Beziehung führte, die nie wirklich anfangen konnte: Der Mann ist ein verheirateter Mann. Ein Maler, der nicht mehr malt. In den fahrenden Zug setzt sich der tote Grossvater zu ihr. Auch er ein Maler, auch er hatte aufgehört zu malen. Die zwei abwesend-anwesenden Männer werden zu ihren Begleitern auf einer Reise in die Vergangenheit und die Erinnerung, aus der sich eine Familienerzählung konstituiert. Das Auswandern der Eltern kurz vor dem Krieg in Kroatien hat eine Unzahl von Bewegungen ausgelöst. Aufbrechen, Abbrechen, es scheint eine Familienneigung zu sein, die sich wiederholt, die in Frage gestellt wird. Im Spannungsfeld dieser geographischen und sprachlichen Verschiebungen, in diesen von Geschichte besetzten Räumen, erzählt Ivna Žic in ihrem Debütroman von einer beginnenden Suche, die zugleich das Jetzt und das Damals abtastet.

Über die Autorin / über den Autor:

Ivna Žic, 1986 in Zagreb geboren, aufgewachsen in Zürich, studierte Angewandte Theaterwissenschaft, Schauspielregie und Szenisches Schreiben in Giessen, Hamburg und Graz. Seit 2011 arbeitet sie als freie Autorin, Dozentin und Regisseurin u.a. am Maxim Gorki Theater, Schauspielhaus Wien, Luzerner Theater, Schauspiel Essen, Schauspielhaus Zürich, Staatstheater Karlsruhe. Žic erhielt für ihre Texte eine Vielzahl von Stipendien und Preisen. Sie lebt in Zürich und Wien.

Preis: CHF 26.90
Sprache: Deutsch
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2019
Verlag: Matthes & Seitz
ISBN: 978-3-95757-769-6
Masse: 168 S.

zurück